Im Februar 2006 wurde der Schützenverein auf die ehemalige Ziegenbockstation in Bochum-Stiepel, Kosterstraße 82a,
aufmerksam. Die Ziegenbockstation besteht aus zwei Gebäuden, einem kleinen Wohngebäude und einer Stallanlage
für Ziegen. Beide Gebäude wurden 1955 in massiver Bauweise als Ersatz für die Ziegenbockstation, die
zuvor auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei in Stiepel, dem heutigen Sportplatz von Rot-Weiß Stiepel,
betrieben wurde, errichtet. Im Zuge der Schließung der Ziegelei und Bau der Sportplatzanlage musste die
Ziegenbockstation weichen und wurde zur Kosterstraße umgesiedelt. Sinn und Zweck dieser Station war es u.a. zu
verhindern, dass es in den verschiedenen Stadtteilen von Bochum zur Inzucht bei den Ziegen kam. Jedes Jahr wurden die
Ziegenböcke so auf die Bochumer Stadtteile verteilt, dass es nicht zur Inzucht kommen konnte, da genauestens
darauf geachtet wurde, dass niemals der gleiche Ziegenbock direkt hintereinander im gleichen Stadtteil seine
"Arbeit" verrichtete. Es wurde großen Wert darauf gelegt, dass die Milchziegen, im Volksmund auch
"Bergmannskuh" genannt, reinrassig waren und ein gesunder Bestand erhalten blieb, da durch die Milchziegen
ein großer Teil der Bevölkerung mit Milch aus eigener Herstellung versorgt wurde.
Viele Stiepeler,
Weitmaraner und Brenscheder können sich noch an die Zeit erinnern, als die Ziegenbockstation in Betrieb war und
sind noch selbst mit der "Hippe" zum Bock gegangen. Auch wenn die Gebäude keine historischen
Gebäude im Sinne der einschlägigen Bestimmungen sind, so haben sie doch eine Geschichte, denn sie sind Teil
des Lebens der Bochumer Bergleute, Kötter und Landwirte. Der Stiepeler Architekt Günther Kirstein, der den
Schützenverein von Anfang an tatkräftig in seinen Bemühungen, die Ziegenbockstation zu erhalten und
für den Verein nutzbar zu machen, unterstützt, hat auf Bitten des Vereins herausgefunden, dass das Wohnhaus
der Ziegenbockstation nicht weiter für Wohnzwecke genutzt werden sollte. Die Stadt Bochum als Eigentümerin
wollte die Gebäude abreißen lassen, da man für beide Gebäude keine Verwendung mehr hatte. Ein Grund
hierfür ist wohl auch darin zu sehen, dass die Gebäude noch nicht an die öffentliche Kanalisation
angeschlossen sind, was bei einer weiteren Nutzung aber erforderlich ist.
Dank der Unterstützung der politischen Parteien, der Stadtverwaltung und der Bezirksvertretung Süd wurde dem Schützenverein nunmehr durch das Liegenschaftsamt ein Angebot für einen Erbbaurechtsvertrag mit einer Laufzeit von zunächst 50 Jahre unterbreitet. Der Erbbaurechtsvertrag soll sich auf die Gebäude und einen Teil des dazugehörigen Grundstücks erstrecken. Bevor es zu einem Vertragsabschluss kommt, müssen noch der Ausschuss für Arbeit, Wirtschaft und Grundstücke, sowie die Bezirksvertretung Süd zustimmen. Der Schützenverein beabsichtigt, das Wohnhaus zu einem Vereinsheim mit Büro und "Historienecke" herzurichten und im ehemaligen Ziegenstall einen geschlossenen Schießstand einzubauen. Gerade der Umbau des ehemaligen Ziegenstalls zu einem Schießstand ist für den Verein enorm wichtig, da der Verein, bedingt durch das fortschreitende "Gaststättensterben", mehr und mehr Schießstände, die oftmals an den Fortbestand der Gaststätte gekoppelt sind, verliert. Derzeit werden durch den Architekten Günter Kirstein die Unterlagen für die Beantragung der erforderlichen, baurechtlichen Genehmigungen erstellt. Weitere Anträge für die Herrichtung des Schießstandes müssen bei der Polizeibehörde von Bochum gestellt werden.
Bis der Verein sein Ziel, Betrieb eines vereinseigenen Schießstandes und eines Vereinsheims als zentralen Anlaufpunkt für die Vereins- und Jugendarbeit, erreicht hat, ist es noch ein langer Weg und bedarf der Unterstützung von Freunden und Gönnern. Daneben ist der Verein auch weiterhin auf die bestehenden Vereinslokale und Schießstände angewiesen und verfolgt mit großer Sorge, dass immer mehr Gaststätten schließen müssen. Auch andere Vereine werden durch diese Entwicklung vor große Probleme gestellt und sind ständig auf der Suche nach einer "Bleibe". An dieser Stelle richtet der Schützenverein nochmals die Bitte an alle, den Verein bei der Aufarbeitung der Historie der Ziegenbockstationen von Bochum mit Bildmaterial, alten Rechnungen und Unterlagen etc. zu unterstützen. Selbstverständlich erhalten die Eigentümer ihre Unterlagen nach Einsichtnahme und Auswertung wieder zurück.